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An dieser Stelle soll über ein ganz besonderes Projekt einer Hamburger Strasse gesprochen werden - den BID am "Neuen Wall"

Der Neue Wall: Praxisbeispiel eines BIDs

1. Ausgangslage

Die Ursprünge des Neuen Walls gehen auf das Jahr 1842 zurück. Unmittelbar nach dem Hamburger Brand, durch den auch die Häuser am Neuen Wall weitgehend zerstört wurden, sah die Stadt Hamburg die Chance, mitten im Zentrum von Hamburg ihre Stadtentwicklungspläne zu verwirklichen. Infolgedessen wurden die Grundeigentümer enteignet und abgefunden. Die Flurstücke am Neuen Wall wurden gemäß der neuen Stadtplanung verkleinert und schließlich wieder veräußert. Aus diesem Grund weisen die meisten Grundstücke am Neuen Wall nur eine Breite von zehn bis dreizehn Metern auf. Durch die klassische Aufteilung mit einem mittigen Hauseingang von zwei bis drei Metern bleibt oftmals für die Läden nur eine Breite von vier bis fünf Metern übrig. Der Einzelhandel ist also am Neuen Wall darauf angewiesen, auf einer vergleichsweise kleinen Fläche seine Umsätze zu erzielen.

Die Gewerbetreibenden richteten sich daher schon früh auf den Handel mit hochwertigen Gütern und Luxusartikeln aus, bei denen Qualität, Service und Exklusivität im Vordergrund stehen. Die Einzelhändler am Neuen Wall sind daher seit jeher bemüht, einen engen Kontakt zu ihrer anspruchsvollen und zahlungskräftigen Kundschaft zu halten.

Heute ist der Neue Wall immer noch eine der exponiertesten Einkaufsstraßen Hamburgs, deren exklusives Image weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt ist. Alteingesessener Handel und luxuriöse Weltmarken wie Cartier, Hermès und Bvlgari prägen das Straßenbild. Die angebotenen Waren reichen von Luxusbekleidung über Uhren und Schmuck bis hin zu hochwertigen Möbeln internationaler Designer. Die Geschäftsflächen und Ladendekorationen sind gemäß dem Anspruch der angebotenen Produkte exquisit und individuell.

Im Gegensatz zu dem Einzelhandelsangebot bietet der öffentliche Raum am Neuen Wall wenig Charme und wird dem Anspruch einer Nobelmeile nicht gerecht: Starker motorisierter Durchgangsverkehr in Richtung Jungfernsieg, schmale und verschmutze Gehwege, unterschiedlich hohe Bordsteine, unansehnliche Poller und Bügel, eine diffuse Straßenbeleuchtung sowie ein Straßenbelag mit starken Abnutzungserscheinungen prägen das Erscheinungsbild des Neuen Walls.

Die Diskrepanz zwischen der Exklusivität der ansässigen Geschäfte einerseits und dem wenig reizvollen öffentlichen Raum andererseits, wird auch von Besuchern des Neuen Walls wahrgenommen: Eine Befragung vom „Grundeigentümerverein Neuer Wall“ bei den Kunden und Passanten des Neuen Walls hat ergeben, dass er einerseits zwar als exklusiv und hochwertig, aber andererseits auch als dunkel, grau und hektisch empfunden wird.

2. Ziele des BIDs Neuer Wall

Im Wesentlichen werden mit den Business Improvement Districts Neuer Wall sieben Kernziele verfolgt:

1) Durch geplante Umbaumaßnahmen soll das Erscheinungsbild des Neuen Walls dem hochwertigen Einzelhandelsangebot und den hohen Ansprüchen der exklusiven Lage gerecht werden.

2) Es soll ein Flanierraum geschaffen werden, der großzügig und barrierefrei gestaltet werden soll.

3) Für die Kunden der ansässigen Geschäfte sollen Parkgelegenheiten geschaffen werden.

4) In den Punkten Sauberkeit, Sicherheit und Parkraum soll den Besuchern des Neuen Walls ein umfassender Service geboten werden.

5) Die Aufenthaltsqualität und das Wohlbefinden der Besucher soll gesteigert werden.

6) Es soll eine einheitliche Beschilderung geschaffen werden

7) Zur Vermarktung des Neuen Walls soll ein einheitliches und wirksames Marketingkonzept entwickelt werden

3. Gebietsabgrenzung

Der Geltungsbereich des Business Improvement Districts Neuer Wall bezieht sich auf den gesamten von Fleeten eingefassten Neuen Wall vom Jungfernstieg bis zur Schleusenbrücke. Insgesamt gehören 55 der 56 Flurgrundstücke dem District an – ausgenommen ist lediglich ein Grundstück an den Alsterarkaden, das keinen direkten Zugang zum Neuen Wall aufweist. Innerhalb der Gebietsabgrenzung befinden sich 85 Geschäfte.

4. Geplanten Maßnahmen

Der Katalog an Maßnamen ist sehr umfassend: Die Pläne zur Revitalisierung des Neuen Walls lassen sehen baulichen Maßnahmen auf der einen und organisatorische Maßnahmen auf der anderen Seite vor.

Die am Pläne zur Revitalisierung des Neuen Walls lassen sehen bauliche Maßnahmen auf der einen und organisatorische Maßnahmen auf der anderen Seite vor.

4.1. Bauliche Maßnahmen

Bei den baulichen Maßnahmen wird das Gestaltungskonzept der Firma WES & Partner Landschaftsarchitekten umgesetzt. Das Planungsbüro WES & Partner, das bereits die Neugestaltung des benachbarten Jungfernstiegs verantwortet, hatte sich mit seinem Entwurf gegen vier Mitbewerber durchgesetzt. Entsprechend den Vorstellungen von WES & Partner soll der Neue Wall ein mediterranes Flair erhalten – heller und freundlicher als bisher.

Die Planungen sehen vor, die grauen Gehwegplatten durch sandfarbenen Naturstein zu ersetzen Auch die Farbe des neuen Straßenasphalts soll farblich entsprechend abgestimmt werden. Eine auf der gesamten Länge des Neuen Walls durchgehende Pflasterung der Gehwege, die in den Kreuzungsbereichen auch die Fahrbahnen durchbricht, soll unterstreichen, das der Neuen Wall vielmehr Zone für die Fußgänger als Straße für den motorisierten Verkehr sein soll. Um den Besuchern Platz zum Flanieren zu bieten, sollen die Gehwege um 80 Zentimeter verbreitert werden. Der Straßenquerschnitt verringert sich dadurch um gut anderthalb Meter auf nunmehr 3,50 Meter. Des Weiteren sollen alle Poller und Bügel sowie überflüssigen Verkehrsschilder entfernt werden. Als Möblierung des öffentlichen Raums sind Bänken mit Sitzflächen aus Holz vorgesehen. Einheitliche Pflanztröge vor den Eingängen der 85 Geschäfte sollen für einen Wiedererkennungseffekt und eine grüne Note am Neuen Wall sorgen (die Bepflanzung soll den Jahreszeiten entsprechend angepasst werden: Blumenzwiebeln im Frühjahr, Rosen im Sommer und immergrüne Gehölze im Winter). Ferner soll der Bürgermeister-Petersen-Platz „entrümpelt“ und zum Alsterfleet hin geöffnet werden. Gastronomie sowie eine Beleuchtung am Abend sollen hier zum Verweilen einladen. Um die Fläche für Veranstaltungen frei räumen zu können, findet die neue Bepflanzung auf dem Bürgermeister-Petersen-Platz in sechs stilvollen Pflanzcontainern auf Rollen statt.

4.2. Organisatorische Maßnahmen

Für die Servicedienstleistungen soll eine private Firma engagiert werden. Sie soll den Neuen Wall im Sinne eines District-Managements professionell organisieren. Zu ihren Aufgaben gehört das Parkraummanagement für Zulieferer und Besucher (geplant sind unter anderem Kurzzeitparkplätze), die Reinigung und Instandhaltung des Außenbereichs (Plakatieren durch Poster soll verhindert werden), die Pflege der Grünanlagen (einschließlich der wechselnden Bepflanzung), das Sicherheitsmanagement sowie technische Serviceleistungen.

5. Zeitplan

Die Durchführung der Maßnahmen zur Revitalisierung des Neuen Walls soll sich über die komplette Laufzeit des BIDs erstrecken. Als Laufzeit wurde der laut dem GSED maximale Zeitraum von fünf Jahren festgelegt.

Die geplanten Baumaßnahmen, die im vierten Quartal 2005 beginnen werden und in mehreren Abschnitten erfolgen, sollen im Jahr 2006 abgeschlossen sein. Vorgesehen ist, dass die Bauarbeiten zum Beginn der Fußball Weltmeisterschaft im Juni 2006 zu einem Großteil abgeschlossen sein sollen, so dass sich der Neue Wall dann bereits den zu erwartenden zahlreichen Touristen in neuem Gewandt präsentieren kann. Bei dieser Planung ist bereits berücksichtigt, dass während des Weihnachtsgeschäfts von Mitte November 2005 bis Anfang Januar 2006 die Bautätigkeit ruhen wird.

6. Finanzierung und Kosten

Das Budget für die Umsetzung des BIDs am Neuen Wall ist für den gesamte Laufzeit von fünf Jahren kalkuliert. Die Finanzierung erfolgt – gemäß des Hamburger GSED – durch eine von allen Grundeigentümern des Neuen Walls geleistete Umlage, welche in fünf gleichen Jahresraten zu zahlen ist.

Die Gesamtkosten hat der von den Grundeigentümern des BIDs am Neuen Wall gewählte Aufgabenträger, die Hamburger Otto Wulff Bauunternehmung GmbH & Co. KG, mit 5.996.000 Euro veranschlagt. Davon werden gut die Hälfte (3.111.000 Euro) für die Baumaßnahmen sowie die Baunebenkosten (inkl. Finanzierung) benötigt. Die andere Hälfte des Budgets wird für die Leistungen der geplanten Servicegesellschaft benötigt (District-Management, Sicherheitsleistungen, Parkraumorganisation, Reinigung des öffentlichen Raums, Bewirtschaftung der Grünanlagen und technischer Service; 1.405.600 Euro) sowie für Marketing, Kommunikation, Konzeption und Administration (1.118.000 Euro). Ein Betrag von 361.400 Euro ist als Reserve für Leistungsanpassungen während der BID-Laufzeit und unvorhergesehene Risiken bei der Durchführung der Baumaßnahmen eingeplant worden.

Sollten zum Ende der fünfjährigen Laufzeit Teile des Gesamtbudgets nicht verwendet worden sein, fließen diese den Grundeigentümern wieder anteilig zurück.

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Stand: Oktober 2005

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